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Mit einem Wisch ist nicht alles weg

Arbeitswelt - Gebäudereiniger Yadgar Jamal Saber über seinen Ekel vor Schmutz, den Lohn der Tätigkeit und sein Putzverhalten zu Hause

von Nadine Pflaum

München/Kaufering Yadgar Jamal Saber hat keine Angst, sich die Hände schmutzig zu machen. Dreck und Staub sind sein Geschäft. Der junge Mann aus Kaufering ist Gebäudereiniger und putzt hauptsächlich in München. Angst um seinen Job hat er nicht. Denn Dreck, so Saber, werde es immer geben. Wir sprachen mit dem 24-Jährigen, der für die Gebäudereinigung Wasserle in Windach (Landkreis Landsberg) arbeitet, über seinen Beruf.

Herr Saber, wer putzt eigentlich Ihre Wohnung?

Saber: Meistens meine Frau. Ich bin zwar Gebäudereiniger, aber abends habe ich einfach keine Lust mehr zu putzen. Ich koch dann lieber.

Darf man Sie Putzmann nennen?

Saber: Das stört mich nicht. Da stehe ich drüber.

Was gehört zu Ihren Aufgaben als Gebäudereiniger?

Saber: Ich werde in zwei Bereichen eingesetzt: Unterhaltsreinigung, das ist das Putzen von Wohnungen. Und Glasreinigung, das ist das Fenster putzen.

Und was machen Sie lieber?

Saber: Fenster putzen. Weil ich da an der frischen Luft bin.

Aber auch in luftiger Höhe.

Saber: Das höchste Gebäude, an dem ich Fassade und Scheiben geputzt habe, war 70 Meter hoch, das Hochhaus der Hypo Vereinsbank. Die Glassscheiben außen mache ich von einer Hebebühne aus sauber. Höhenangst haben ich nicht. Manchmal hänge ich auch nur an einem Seil.

Wie bitte?


Yadgar Saber hängt manchmal in den Seilen: Zur Arbeit des 24-Jährigen aus Kaufering gehört auch Fenster putzen in luftiger Höhe. Foto: Wasserle GmbH

Saber: Ein Industriekletterer seilt mich dann ab. Zum Beispiel bei überhängenden Gebäudekanten. Da kommt man mit einer Hebebühne nicht hin.

Schauen Sie eigentlich auch mal in die Büros rein, deren Scheiben Sie reinigen?

Saber: Nein, ich konzentriere mich auf meine Arbeit.

Aber die Leute schauen Ihnen beim Putzen zu?

Saber: Manche winken. Oder lachen. Einmal hat mir eine Frau beim Putzen die ganze Zeit zugelächelt. Dachte ich zumindest. Als ich dann mit der Hebebühne wieder unten war, wurde mir gesagt, dass ich einen Fleck vergessen hatte. Also musste ich noch einmal ganz hoch. An der Innenseite der Scheibe stand die Frau und hat schadenfroh auf den Fleck gezeigt. Und gelacht.

Und dann?

Saber: Ich habe die Scheibe komplett sauber gemacht und sie lachen lassen.

Wie reagieren Leute darauf, wenn Sie sagen, dass Sie Ihr Geld mit Putzen verdienen?

Saber: Ganz normal. Viele meiner Freunde und Bekannten sind selbst in der Gebäudereinigungs-Branche tätig.

Ekelt es Sie eigentlich, dass Sie den Dreck anderer Leute entfernen müssen?

Saber: Nein.

Auch nicht, wenn es sich um Toiletten handelt?

Saber: Nein, ich habe mich für diese Arbeit entschieden und da gehört das auch dazu.

Was war Ihr schmutzigstes Putzerlebnis?

Saber: Das war wirklich schlimm. Ich war in einem Kindergarten. Der ganze Boden dort war voll mit extrem feinem Sand. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen soll. Schlimm ist auch, wenn im Winter der Lappen an der Scheibe festfriert.

Es gibt 808 000 Putzfrauen in Deutschland - und 108 000 Putzmänner. Wie gehen die Kolleginnen mit Ihnen um?

Saber: In meiner Firma arbeiten 71 Frauen und 49 Männer. Da bin ich für die Kolleginnen nichts besonderes.

Putzen Männer und Frauen eigentlich unterschiedlich?

Saber: Nein, das nicht. Aber sie bevorzugen unterschiedliche Tätigkeiten. Männer sind technikverliebter, arbeiten lieber mit Hochdruckreinigern und führen Scheuer-Saug-Automaten. Frauen hingegen ziehen Wischmop und Lappen vor.

Wie sehen Sie es, dass viele Ihrer Kollegen nicht vom Lohn leben können?

Saber: Das finde ich schlimm. Nur: Was soll man machen, in anderen Branchen verdienen die Leute weniger als bei uns.


Gebäudereiniger

  • Anzahl: in Deutschland waren laut Statistischem Bundesamt 2008 916 000 Gebäudereiniger tätig, davon 808 000 Frauen.
  • Umsatz: Die Branche machte 2007 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro.
  • Lohn: Nach einem kurzen Streik im Oktober haben die Gebäudereinier eine Tarifeinigung erzielt. Bis 2011 steigen die Tariflöhne im Westen um 4,9 Prozent und im Osten um 6,3 Prozent. Der neue Mindestlohn soll 8,55 Euro (Westen) und 7 Euro (Osten) betragen.
    (ddp/nap)

Augsburger Allgemeine
28. November 2009

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